Vorwort

Ich habe im Kurs für den BR-Schein die Navigation als eine intellektuell stimulierende Aufgabe erlebt. Irgendwie erinnerte mich das Konstruieren von Dreiecken an meine Schulzeit. Da hatte ich sogar freiwillig einen Kurs in Darstellender Geometrie besucht. Mit der dunklen Erinnerung an die Schulzeit und der vagen Vorstellung, das Ganze habe etwas mit Trigonometrie zu tun, diskutierten wir mit Segelfreunden über ein paar Flaschen Wein über Navigationshilfsmittel und das Für und Wider von Computern an Bord. Jochen hatte eine revolutionäre Vorstellung: wenn man Software für die Navigation schreiben kann, dann gibt es Algorithmen. Wenn man Algorithmen hat, kann man auch mit anderen Hilfsmitteln — z. B. einem Rechenschieber — die Aufgabe lösen. Der Rechenschieber — so argumentierte er, denn er hatte einen von seinem Vater, einem Ingenieur, geerbt — hat keine Batterien, und wenn er 'mal nass wird, trocknet man ihn einfach ab. Einen nassen PC kann man nur noch entsorgen.

Diese Idee reizte mich, und ich suchte meine Rechenschieber im Schreibtisch und ein Trigonometriebuch aus der zweiten Reihe des Bücherschranks. Dann machte ich mich an die Arbeit und analysierte die typischen Navigationsaufgaben unter trigonometrischen Gesichtspunkten. Ziel war immer, den Rechenschieber für möglichst viele Probleme an Bord einzusetzen. So kam dann noch die Gezeitenrechnung hinzu.

Das Buch wendet sich an Sportbootführer, die Spaß an der Navigation haben, aber als Gelegenheitssegler immer wieder die Rechenregeln nachschlagen müssen, und die gerne verstehen wollen, worauf diese Regeln begründet sind. Wer irgendwann gelernt hat, mit dem Rechenschieber zu rechnen, und es eigentlich bedauert, dass dieses Gerät nun überflüssig geworden ist, findet in diesem Buch einen Grund, den Rechenschieber wieder sinnvoll einzusetzen. Natürlich kann man die Rechnungen auch mit dem Taschenrechner ausführen.

Zunächst werden wir die notwendigen Grundlagen der ebenen und sphärischen Trigonometrie einführen. Die Gleichungen werden dann bei jedem Beispiel erneut diskutiert. Im zweiten Kapitel wird das Rechnen mit dem Rechenschieber erklärt. Wer einen hat, der wird es in der Vergangenheit ja gelernt haben; wer keinen hat, der braucht dieses Kapitel nicht zu lesen — denn zu kaufen gibt es keine mehr. Der einzige Weg noch einen Rechenschieber zu erwerben, ist von einem Sammler. Es gibt (überraschend) viele Diskussionsgruppen auf dem Internet und Websites von Sammlern und Clubs. Eine Suche nach “Rechenschieber” bei www.yahoo.de oder www.altavista.de führt sicher zum Ziel. Ein Synonym ist “Rechenstab”. Wer gerne englisch liest, kann auch nach “slide rule” suchen.

Dann werden wir die typischen Konstruktionsaufgaben des Navigators nach den Typen ausführlich diskutieren — einschließlich der Großkreisnavigation für Atlantiküberquerer. Und schließlich werden wir die Formeln zur Gezeitenberechnungen — und zwar die nach BSH und die nach ATT — ausführlich ableiten.

Dieses Buch ersetzt kein Lehrbuch für die Führerscheinkurse, es ergänzt die empfohlenen Texte. Nicht alle prüfungsrelevanten Themen sind behandelt.

Mannheim, im Herbst 2001 Rainer Stumpe

Ein Schiff mit Landmarken zu navigieren erfordert die größte Erfahrung und die schönste Urteilfähigkeit aller Navigationsarten. Ständige Wachsamkeit, nicht nachlassende geistige Aufmerksamkeit und eine gründliche Kenntnis der Grundlagen sind notwendig. Navigationsfehler auf offener See können normalerweise erkannt und korrigiert werden, wenn man in Sichtweite zum Land kommt. Bei der Küstennavigation gibt es wenige oder gar keine Möglichkeiten, einen Fehler zu korrigieren. Schon eine kleine Flüchtigkeit kann zu einem Unglück führen.
Commander B. Dutton


Bibliographie  Inhaltsverzeichnis  Vorwort  Leseprobe  Errata


[Home]  [Profession]  [Navigation]  [Gezeiten]  [Buch]


© Copyright 2000 - 2016 Rainer Stumpe. Alle Rechte vorbehalten.
Zuletzt geändert: 06.08.2016
Hinweise an: webmaster@rainerstumpe.de